T3BOARD 2012

FLOW3, TYPO3 Phoenix und Extbase – The Current State

Seit 2002 versammeln sich einmal im Jahr die Snowboard- und Ski-Begeisterten der TYPO3-Gemeinde in den Alpen, um im kleinen Kreise eine Woche Sonne und Schnee zu genießen. Dieses Jahr sind drei unserer Mitarbeiter in Laax (dem Mekka für Snowboarder in der Schweiz) mit von der Partie und wir sind natürlich neugierig, was die heiß diskutierten Themen auf der diesjährigen T3BOARD sind.

Volker Graubaum, unser Geschäftsführer, und Markus Günther, einer unser Entwickler, sind seit Samstag in Laax und haben sich ein paar Minuten ihrer wertvollen “Pistenzeit” genommen, um uns Frage und Antwort zu stehen.

T3BOARD12 Restaurant Capalari

e-net: Stell Dich doch mal ganz kurz vor.

Markus Günther: Ich bin Markus und absolviere zur Zeit eine Ausbildung bei e-net als Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung. Ich bin 27 Jahre alt und habe vor der Ausbildung einige Semester an der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg studiert.

e-net: Wann bist du mit der Ausbildung fertig?

Markus Günther: Voraussichtlich im Juni diesen Jahres werde ich meine Ausbildung beenden und dann meinen Job bei e-net fortsetzen :-)

e-net: Wo genau seid Ihr da grade?

Markus Günther: Ich bin gerade in der Nähe von Laax in der Schweiz. Die Bergstation nennt sich crap sang gion … ich google noch mal schnell wie das heisst ;-) … Crap Sogn Gion.

Die Bilder zeigen das Restaurant Capalari und wie man sehen kann, ist es sehr gemütlich gehalten.

e-net: Cool. Danke für die Bilder. Wie ist das Wetter?

Markus Günther: Wie man sicher auf den Bildern sehen kann, haben wir wunderbaren Sonnenschein. Leider ist es etwas zu warm, so dass ab Mittag der Schnee schon etwas sulzig ist.

e-net: Sulzig?

Markus Günther: Sulzig bedeutet, das der Schnee angetaut ist und somit das Fahren erschwert wird. Der Volker ist auch grad dazu gekommen…

e-net: Moin Volker.

Volker Graubaum: Moin… :-)

e-net: Wir machen einfach mal weiter mit den Fragen: OK, sulzig… Also zur Zeit nur Schnee für Fortgeschrittene? :-)

Volker Graubaum: Nee, der sulzige Schnee ist gut für Anfänger, da er bremst und man daher auf den Pisten langsamer wird.

Markus Günther: Sprich eher Schnee für Anfänger und nicht für Fortgeschrittene…

e-net: Also Anfänger-Schnee! alles klar… Seid ihr mehr draußen oder mehr vorm Rechner?

Volker Graubaum: Wir sind mehr draußen als vor dem Rechner, wobei man sagen kann, dass der Tag zweigeteilt ist: Tagsüber draußen und abends dann Coding oder Networking.

Markus Günther: Wir sind bestrebt, so früh wie möglich raus auf die Piste zu kommen, da je nach Höhenlage die Lifte zwischen 15:15 und 16:30 schließen.

e-net: Was war bisher dein/euer persönliches Highlight bezogen auf das TYPO3-Projekt?

Volker Graubaum: Schön zu sehen ist, dass die Community nach wie vor eine internationale Community ist. So finden sich bestimmt ein Dutzend Nationen hier, obwohl die Mehrzahl natürlich Deutsche und Schweizer sind.

Markus Günther: Es war toll, einmal live mitzubekommen, wie hart die Core-Entwickler vor einem Release zu arbeiten haben. Es müssen nachts noch wichtige Entscheidungen getroffen werden und so kann es eben auch sein, dass ein angekündigtes Feature wie FAL nicht mit in 4.7 released wird. Das ist doch sehr spannend.

e-net: FAL?

Markus Günther: FAL ist der File Abstraction Layer und sollte mit 4.7 als eines der großen Features released werden. FAL setzt sich zwischen TYPO3 und die Dateien, die in die Website integriert werden sollen,  z.B. Bilder.

Dadurch wird intelligenteres Arbeiten mit Dateien möglich: Das Austauschen einer auf mehreren Inhaltsseiten eingebundenen Grafik kann zentral geschehen, eine Datei selbst kann Nutzungsstatistiken liefern und ein Bild, das auf mehreren Inhaltsseiten eingebunden ist, ist nur noch exakt eine Datei auf der Festplatte des Servers – das reduziert sowohl den Speicherplatzbedarf, als auch den Traffic massiv.

Außerdem möchte TYPO3 mit dem FAL anderen Dateiverwaltungs-Extensions (wie DAM oder der Cloud-basierten Dropbox) eine solide Arbeitsgrundlage bieten.

e-net: Was sind die wesentlichen Herausforderungen, auf die sich TYPO3-Entwickler in Zukunft einstellen müssen?

Markus Günther: Die Entwickler werden sich in Zukunft sehr viel mehr mit neuen Technologien auseinandersetzen müssen.

Mit dem Release von FLOW3 wurde der erste Schritt in die neue Generation von TYPO3 gegangen. Die V5-Core-Entwickler arbeiten auch hier in Laax hart an der Weiterentwicklung von Phoenix. Entwickler müssen von nun an OOP, AOP und das DDD verinnerlichen. Es bringt viele Vorteile mit sich, doch für die meisten Entwickler wird es einen Umgewöhnung sein.

Mit Extbase wurde in Version 4 schon einiges davon integriert, doch FLOW3 ist fortgeschrittener als Extbase. Durch Module wie Doctrine 2 wird die Arbeit nochmals etwas anders.

Volker Graubaum: Durch die Arbeit mit FLOW3 werden aber TYPO3-Agenturen zukünftig einen anderen Markt bearbeiten können. Während TYPO3 aktuell ein Content Management Framework ist, wird FLOW3 auch für Individualentwicklung ohne CMS dahinter verwendbar sein und damit Zugang in andere Bereiche finden.

e-net: Erklär’ doch mal ganz kurz den Unterschied zwischen FLOW3 und TYPO3 5.0 und wie sie sich zueinander verhalten.

Volker Graubaum: FLOW3 ist ein reines Entwicklungsframework, während TYPO3 Phoenix (nicht v5) ein CMS ist, welches auf FLOW3 aufbaut.

e-net: TYPO3 5.0 ist nicht Phoenix?

Markus Günther: Doch, TYPO3 V5 ist Phonenix. Nur nennt man es eigentlich nur noch Phoenix. Finde den Namen auch sehr passend, da von dem alten TYPO3 nicht refactored wurde, sondern man ist aus der Asche auferstanden und hat von Grund auf alles neu konzipiert und entwickelt.

e-net: Für wen wäre denn FLOW3 spannend? Ist es nur für komplexe Projekte?

Markus Günther: Grundsätzlich kann man FLOW3 als Framework für sehr viele Dinge benutzen; es ist aber schon ein Enterprise-PHP-Framework. Man könnte zum Beispiel sehr gut unseren MEZ als FLOW3-Anwendung realisieren. Damit hätte man somit ein recht kleines System mit FLOW3 umgesetzt; jedoch liegt der Fokus eher auf komplexeren Dingen.
Durch die starke Abstraktion und die domänengetriebene Entwicklung arbeitet man vorwiegend an der Geschäftslogik und muss sich um Dinge – wie zum Beispiel SQL oder anderes – nicht kümmern. Dies nimmt mir das FLOW3-Framework ab.

Es ermöglicht also insgesamt ein professionelleres Arbeiten mit PHP. Dank Frameworks wie FLOW3 und ZEND muss sich PHP nicht mehr als Schmuddel-Programmiersprache sehen.

e-net: Kann man Phoenix als Agentur jetzt schon einsetzen? Oder wartet man besser noch?

Markus Günther: Man muss schon sehr viel Expertise aufbringen, um damit zu arbeiten. Es befindet sich halt in der Entwicklung. Aber da es – salopp gesagt – nur ein FLOW3-Package ist, bzw. aus mehreren besteht, kann man es auch schon als CMS für kleinere Dinge nutzen. Oder als Backend für eine FLOW3-Anwendung.

e-net: Gibt es schon Referenz-Projekte, die mit Phoenix umgesetzt werden?

Markus Günther: Da gibt es z.B. die T3CON12 Québec; die haben ihre Seite schon mit Phoenix gemacht. Die dänische TYPO3-Agentur MOC (moc.net) ist gerade ebenfalls an einem Relaunch mit Phoenix dran.

e-net: Kann man schon was sehen?

Markus Günther: MOC ist noch nicht live, aber der Core-Developer Christian Jul Jensen hat via Twitter schon darüber berichtet und einen kurzen Screencast der Alpha-Version geleaked.

e-net: Habt ihr selbst schon mal mit FLOW3, Phoenix oder Extbase gearbeitet?

Markus Günther: Bisher habe ich nur mit FLOW3 und Phoenix herumexperimentiert. Extbase hat sich aber schon jetzt zum state of the art gemausert und wird im professionellen TYPO3-Umfeld für jede neue Extension verwendet.

e-net: Auch damit die Extensions von heute zukunftsfähig sind mit Blick auf Phoenix?

Volker Graubaum: Wie intensiv wir damit arbeiten zeigt, dass wir auf der TYPO3-Akademie in München mit Christian Kuhn und Helge Funk zwei Entwickler hatten, welche eine Präsentation über die Leistungsfähigkeit von Extbase gemacht haben. Christian Kuhn ist ja auch mit auf der T3BOARD, aber zur Zeit findet gerade ein Teammeeting des TYPO3 v4 Core-Team statt.

e-net: Wurde auf der T3BOARD auch über die TYPO3-Zukunft gesprochen?

Markus Günther: Zur Zukunft von TYPO3 wurde hier viel gesprochen, allerdings möchte ich der offiziellen Kommunikation nicht zuvorkommen, so dass ich nur sagen kann: es bleibt spannend und geht mit großen Schritten voran. Sowohl mit der v4 als auch mit FLOW3 und Phoenix…

Volker Graubaum: Genau das Thema Zukunftssicherheit ist einer der Gründe, warum es Extbase gibt. Zwar müssen je nach Erweiterung Anpassungen gemacht werden, aber grundsätzlich kann der Code in FLOW3 weiter verwendet werden, und der Aufwand sollte eher im Stunden- anstatt im Tagebereich liegen.

Markus Günther: Die Entwickler tauschen sich in den Maillinglisten auch zu diesem Thema aus. Sebastian Kurfürst hat neulich erst eine Diskusion aufgegriffen, bei der es darum geht, die Entwicklung von FLOW3 und Extbase synchron zu halten, denn zur Zeit sind Extbase und FLOW3 nicht synchronisiert. Extbase ist ein Backport von FLOW3 und das Extbase-Team ist, was Manpower angeht, dringend auf Hilfe angewiesen.

Volker Graubaum: Man kann aber, denke ich, keine 100%-ige Synchronisation erreichen. Trotzdem wird mittlerweile einiges getan , um die beiden Systeme enger miteinander zu verzahnen. Es werden zum Beispiel, um einen besseren Überblick zu haben, nun auch bei FLOW3-Bugs Extbase-Tickets angelegt und umgekehrt. Das erleichtert die Entwicklung und schont Ressourcen.

Markus Günther: Wenn demnächst nur noch Namespaces angepasst werden müssen, um eine Extension in ein FLOW3-Package zu portieren, haben wir es geschafft :-)

e-net: Wurde über Verbreitungszahlen gesprochen? Weiß man zum Beispiel, wo auf der Welt TYPO3 am häufigsten verwendet wird?

Markus Günther: Momentan wird TYPO3 meines Wissens zum Großteil in Europa genutzt. Auf der TYPO3-Association-Seite steht, dass TYPO3 derzeit das weltweit meistgenutzte Open-Source-Enterprise-CMS mit mehr als einer halben Million umgesetzten Seiten ist.
Zur Zeit sind Deutschland, Österreich und die Schweiz die stärksten Märkte für TYPO3. Die Association versucht jedoch, durch Events wie die T3CON in Dallas oder demnächst Québec auch in Nordamerika Fuß zu fassen.

e-net: Gibt es Deadlines, die ihr “leaken” dürft? Wann zum Beispiel Phoenix offiziell stable ist?

Volker Graubaum: Gibt es bestimmt intern. Allerdings keine offiziellen Zahlen, die ich kenne, aber wir können nochmal nachhaken. Klar ist, dass die Version 4.7 während der Board als Beta 1 rausgekommen ist und damit in wenigen Wochen als stable rauskommen wird.
Siehe auch Release Notes: http://news.typo3.org/news/article/typo3-47-beta1-released-feature-freeze-hit/

e-net: Was fasziniert euch an der TYPO3-Community? Warum engagiert ihr euch so stark?

Volker Graubaum: Ich werde dieses Jahr seit 10 Jahren Kontakt mit TYPO3 haben. Im Herbst 2002 habe ich eine TYPO3-Schulung bekommen und im Sommer 2002 die ersten Gehversuche mit TYPO3 unternommen.
Was mich von Anfang an beeindruckte, war die Form des Umgangs innerhalb der Community. Gerade in den ersten Monaten/Jahren, als noch jeder jeden kannte, sind echte Freundschaften entstanden, was sich auch gerade in der T3BOARD wiederspiegelt.
Noch vor irgendwelchen Konferenzen oder Developer Days gibt es die T3BOARD seit 2002 und ich war auch schon 2003 dabei und konnte alle Leute kennenlernen, die damals die “Größen” der Community waren.
Viele von denen sind auch noch heute dabei und man kennt und schätzt sich gegenseitig. Dazu kann man davon ausgehen, dass man auf den Mailinglisten immer eine Antwort auf Fragen und Probleme bekommt.

Markus Günther: Kann man nicht mehr viel hinzufügen… Ich finde es einfach großartig, wie herzlich die Communitymitglieder miteinander umgehen. Es spielt keine Rolle, wer oder was du bist. CoreDevs reden mit Azubis genauso wie mit den anderen Entwicklern. Wenn man von Event zu Event reist, wird man umarmt und so herzlich empfangen, dass es einfach Spaß macht, Teil dieser Community zu sein :-)

e-net: Wie unterstützen Agenturen die Arbeit an TYPO3?

Markus Günther: Agenturen können durch Spenden an die Association, durch Freistellen von Mitarbeitern für Core-Arbeit (wie bei uns) oder durch Mitgliedschaften in der Association direkt die Entwicklungsarbeit unterstützen.
Andere Agenturen sponsern aber auch TYPO3-Events und machen sie somit erst möglich. Das hilft einmal der Verbreitung von TYPO3, aber auch den Entwicklern, weil sie sich so persönlich kennenlernen können, was wiederum eine bessere Zusammenarbeit gewährleistet.

Im Prinzip lebt das Projekt aber von den Entwicklern. Grundsätzlich gilt: Jeder kann TYPO3 verbessern, indem er Bugs aus dem Bugtracker fixt und einreicht, indem er tolle Dinge entwickelt, wie zum Beispiel Extbase oder Fluid.
Extbase z.B. wurde ursprünglich von Jochen Rau entwickelt. Sebastian Kurfürst hat mit anderen Fluid als Template Engine entwickelt und all diese Entwicklungen bringen TYPO3 voran und helfen den Agenturen im Alltag und das wird auch honoriert.

e-net: Wie wird denn auf so einer Veranstaltung wie der T3BOARD die konkrete TYPO3-Entwicklung vorangetrieben?

Markus Günther: Auf der T3BOARD wurden bis zu diesem Jahr zum Beispiel immer Bugs versteigert. Agenturen oder Privatpersonen konnten Bier bieten um diesen Bug zu lösen.
Zum Beispiel konnten auf einen Bug 100 Biere geboten werden (1 Bier kostet circa 5 Franken).
Dafür haben Entwickler dann diesen Bug behoben und das Bier, das nach der Board übrig blieb, wurde als Geldspende der Association zugeführt. Solche Aktionen zeigen ganz gut, wie locker und lustig und trotzdem produktiv es in der Community zugehen kann.

e-net: Hört sich aber auch ganz schön anstrengend an. Wie fühlst du dich nach einer Woche mit jeder Menge TYPO3-Nerds auf’m Berg?

Markus Günther: Man schläft zum Teil sehr wenig und das ist, in Kombination mit dem Wintersport, schon anstrengend, aber es gibt hier auch genug Möglichkeiten, sich zu entspannen. Man kann in der Sonne liegen und ausspannen, sich vor den Kamin legen oder, wie Volker und Christian heute, die Sauna aufsuchen.

e-net: Sauna, Snowboard, Sonne. Das hört sich toll an. Was war dein soziales Highlight bis jetzt?

Markus Günther: Gestern hatten wir das traditionelle TYPO3-Fussball-Turnier und danach waren die ganzen Nerds dann unten im Tal in den vielen Clubs und Bars unterwegs und haben es, bis die Gondel uns nachts um 3 wieder ins Hotel brachte, krachen lassen. Das ist Networking, Sport und sehr viel Spaß, alles in einem…

e-net: Was war dein peinlichstes Erlebnis auf der T3BOARD?

Markus Günther: Naja, so richtig peinliche Dinge sind bisher nicht passiert, eher lustige: Wenn man Traversen fahren muss, dabei aber zu langsam ist und stehen bleibt, sieht man ganz schön blöd aus. Und wenn man dann das nächste Mal denkt: “Okay, diesmal volle Kanone!” und dann zu schnell ist und im Tiefschnee landet, ist das auch irgendwie lustig. Aber peinliche Dinge sind mir nicht passiert.

e-net: Was machst du im “normalen” Leben, wenn du nicht programmierst?

Markus Günther: Wenn ich nicht code, bin ich zur Zeit viel am Reisen, um von A nach B zu kommen. Und neben der Arbeit ist meist nicht viel; läuft meistens auf Ausruhen hinaus ;)
…Ich muss dann mal Schluss machen – Essen und Netzwerken und so ;)

Das Interview führten Matthias Keuck und Patricia Tiedemann.

1 Kommentar zu “T3BOARD 2012

  1. Pingback: Das erste internationale TYPO3camp: TYPO3camp Mallorca 2012 | e-net Blog - TYPO3 und mobile Development

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>